Tallinn

 

Die Innenstadt von Tallinn ist nicht besonders groß. Innerhalb von 1,5h Stunde schaffst du es in normaler Geschwindigkeit das Städtchen abzulaufen. Naja bei einem Land mit 1Mio Einwohner und davon 400.000 im Einzugsgebiet der Hauptstadt kannst du die Größe wohl erahnen.

Wir wollten jedoch mehr als nur den begrenzten Raum innerhalb der alten Stadtmauer erblicken. Wir wollten Estlands Natur, sowie die Leute sehen und spüren. Eine gute Idee dazu erst einmal aus der Stadt heraus zu fahren. Seitdem in den Sommermonaten wöchentlich mehrere Kreuzfahrtschiffe - mit bis zu 3000Personen pro Schiff- in Tallinn ankern, bleiben die Esten ihrem Stadtkern fern.

 

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Rund um das Zentrum bildeten sich kleine Shoppingpassagen, mit Kino, Cafés und allerhand Freizeitangeboten um die tourireichen Wochen zu überbrücken. Erst im Winter gehört die Stadt endlich wieder ihnen.
Eines der zahlreichen Freizeitangebote rund um Tallinn, sind die Kanutouren auf der Keila. Gemeinsam mit 10 weiteren AIDA Reisenden, die sich ebenfalls vor einem Gänsemarsch durch die Stadt drücken wollten, ging es also erst einmal 25Minuten Richtung Stadtrand.

 

Kanu fahren rund um Tallinn!!!

Die Jungs von Kanuu.ee wartete mit ihrem Anhänger bereits auf uns. Die folgende Unterweisung bestand im Wesentlichen aus: hier habt ihr eure Schwimmwesten, wir lassen jetzt ein Kanu nach dem anderen ins Wasser und stoßen euch vom Ufer ab.

 

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Danach stand learning by doing an. Nix wars mit Lehrstunde über Steuerung, Bremsen oder sonst was. Naja kann ja nicht so schwer sein. 5 Minuten, drei Drehungungen und einer Uferkollision später stellten auch wir fest, dass Kanu fahren irgendwie doch nicht so easy peasy ist wie zu Anfangs gedacht. Bei wilden Diskussionen inklusive Lachanfällen mitten auf dem Wasser bildeten wir schnell das Schlusslicht der Gruppe.

 

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Natürlich war immer der andere Schuld weshalb wir einfach nicht vorwärts kamen. Wir konnten sicher sein, an jedem überspülten Stein hängen zu bleiben und uns so richtig schön fest zu fahren, sodass das Kanu beim Versuch sich zu befreien, verdächtig zur Seite kippte. Nur vorne weg – wir wurden nicht nass! Naja Cris ein bisschen, nachdem Pia ihm mit dem Paddel einmal AUSVERSEHEN eine Ladung Fluss in den Schoß ruderte ^^

 

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4km später stiegen wir völlig platt und mit reichlich Gestrüpp in den Haaren für einen Mittagssnack aus. Kurz zuvor waren wir mit vollem Karacho in ein Gebüsch mitten im Fluss gerudert, nachdem Cris von hinten rief, „ich mach das hör auf zu paddeln“……….wooom….. Der tiefhängende Ast, hatte Pia erstmal von ihrer Sitzbank gefegt und samt Urwald ins Kanu geworfen. Es bedarf wohl keiner Erklärung wie amüsant die restliche Gruppe das fand.

 

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Aber auch wir waren nach einer irren Zick-Zack-Fahrt irgendwann beim Zwischenstopp angekommen. Wie es dann einfach sein musste, hatten wir beim Anlegen natürlich unseren Vordermann über den Haufen gefahren und ihn Knöchel tief ins Wasser springen lassen. Jaja wir hatten unseren Ruf weg, aber egal – wie lahm wäre diese Tour denn bitte gewesen, wenn wir nicht alle zum Lachen gebracht hätten.

 

So aber jetzt zeigen wir´s euch!

Bei einer leckeren Kohl-Kartoffelsuppe-Hühnchensuppe, schmiedeten wir den Plan für den restlichen 5km Abschnitt. Um dieses Mal von erfahreneren Kanufahrern zu lernen, hängten wir uns direkt an die Gruppenspitze und beobachteten auf die ersten Meter die „Profis“ bevor sie uns abhängen konnten. Danach lief es dann wie geschmiert. Für die Experten waren wir zu langsam, aber für den Rest zu schnell und so paddelten wir beinahe 1,5h ganz alleine auf der Keila umher. Keiner vor uns – keiner hinter uns.

 

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Zumindest nicht in Sichtweite. Inmitten von wildbelassener Natur und einer unglaublichen Stille. Lediglich hin und wieder von ein paar Vögeln, einer frei umherlaufenden Motorsäge, oder Cris wohlklingender Stimme mit; „HÖRS’T JETZT AUF– bzw. PADDEL DOCH MAL !“gestört.

 

Super stolz, mit reichlich Oberwasser sind wir nun der Meinung uns nach diesen 9km wohl zu Recht ab jetzt Semi-Profis im Kanufahren nennen zu können. Als hätten wir nie etwas anderes gemacht steuerten wir an den letzten „Stromschnellen“ – naja für manche Lebewesen wäre es sicher gefährlich gewesen, vorbei und legten ohne erneute Kamikazemanöver unser restlichen Mitglieder am Ufer an.

Bei Tee und Kaffee in einem kleinen Freilandmuseum lernten wir unsere Kanutruppe besser kennen und gemeinsam freuten wir uns auf einen gemütlichen Stadtbummel durch die kleine Altstadt von Tallinn.

 

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Altstadt von Tallinn

Allerdings hatten wir dabei alle Monika vergessen. Ja Monika – die eigentlich nette Dame aus Estland, die uns am Schiff im Empfang genommen und mit ihrem Busfahrer zur Keila gebracht hatte. In Drill-Sergant ähnlicher Manier gab sie uns unmissverständlich zu verstehen, dass der Rest des Tages nicht zum freien Bummeln gedacht war. Im Stechschritt rannte sie uns mit der Nummer 2 voraus und wir wie die Gänse hinterher. Genau das, wovor wir uns alle drücken wollten.

 

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Binnen 60Minuten hatten wir die Ober- sowie Unterstadt regelrecht abgearbeitet, sämtliche Infos über Gebäude, Bürger, Besatzungen, Befreiungen und heutiges Leben in unsere Köpfe geprügelt. Das Prozedere pro Zwischenstop lief jeweils so schnell ab, dass Cris beim Kauf eines Stück Käsekuchens beinahe verloren ging.

 

Hier mal ein kurzer Einblick, wie viel wir von Tallinn während der Stadtführung gesehen haben.

Ist das nicht wunderbar ?!?

Es ging rein in eine antike Apotheke und sofort wieder raus – rein ins historische Café und binnen 60sek standen wir wieder draußen. Wir folgten unserem Truppenführer eigentlich nur noch, um das aberwitzige Schauspiel der Massenabfertigung nicht zu verpassen. Diese knappe Stunde war ein blühendes Beispiel dafür, wie eine geführte Reisetour absolut nicht ablaufen sollte. Also solltest du je mit der AIDA oder einem anderen Kreuzfahrschiff in Tallin halten, eine gebuchte Tour ist auf keinen Fall nötig.

 

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Wenn du nicht wie wir Kanu fahren gehen willst, lass bitte die Finger davon. Die Stadt erreichst du vom Schiff aus in 10Minuten und kannst dich bei dieser überschaubaren Größe definitiv nicht verlaufen. Denn ganz ehrlich wir haben von der tollen Altstadt alles gesehen, aber irgendwie auch gar nichts!

 

Tallinn hat dir so wahnsinnig viel zu bieten

Enge gewundene Gassen, schnuckelige Café, Maler die überall in der Stadt sitzen und Ausschnitte des Landschaftsbildes zeichnen und eine unfassbar große Anzahl an Handwerkskunst in der ganzen Stadt. Kein alberner Kitsch für Touris, sonder ganz besondere Einzelstücke aus allen Bereichen. Von Hutmachern, über Papeterien, Schuster, kleine private Modelabels. Einfach alles - bis hin zu einem Laden in einen kleinen Hinterhof der einfach nur hammer geile Lederhandtaschen, Rucksäcke etc herstellte, sowie handgeschöpftes Papier zu wunderschönen Notizbüchern bindet. Einzelstücke in Hülle und Fülle.

 

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An all diesen einzigartigen Geschäften wurden wir wie eine Schafsherde vorbei getrieben. Eins steht dabei fest. Wir wollen unbedingt wieder nach Tallinn. Durch die Stadt flanieren, in den Geschäften bummeln, uns einfach treiben lassen und die Stimmung dieser winzigen Hauptstadt genießen. Versucht jedoch nicht ein richtig traditionelles Gericht der Esten zu finden.

 

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Durch die beinahe andauernde Besatzung durch Russland oder Deutschland haben die Esten kaum eigene Rezepte, die man nur hier findet. Als typische Hauptspeise die bei keinem Fest fehlen darf, wurde uns Schweinebraten mit Sauerkraut empfohlen. Jedoch sofort mit dem Beisatz – esst ihn aber lieber in Deutschland, dort schmeckt er selbst den Esten besser.

 

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Wie du siehst hat Tallinn eine Menge Dinge, die es zu sehen lohnt, auch wenn es nicht unbedingt die Eigenheiten Estlands betont. Das kleine Land mit seinen 1.000.000 Einwohnern besticht mit so viel Charme und mutigen Trotz, die eigene Identität auch während der permanenten Belagerung nie verloren zu haben, dass diese Leistung eigentlich jeder einmal mit einem Besuch würdigen sollte. Die gerademal 25Jahre die Estland nun wieder als eigenständige Nation besteht, zeigt wie viel ein Land, trotz kleiner Mittel erreichen kann.

Für uns ist Tallinn ein kleines, unerwartetes Schmuckstück an der Ostsee, dass du dir auf keinen Fall entgehen lassen solltest!

 

Hast du dich schon ist Estland, oder sogar in Tallin rumgetrieben. Konntest du das Städtchen in Ruhe genießen? Was waren deine besten Eindrücke und was sollten wir bei unserem nächsten Besuch auf keinen Fall verpassen?

Schreib uns deine Erfahrungen und Tipps in die Kommentare, sicherlich sind nicht nur wir froh um dein Wissen!

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Pia&Cris

 

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