St.Petersburg – zu Gast beim bösen Russen???

Venedig des Nordens, Stadt der weißen Nächte, oder Perle Russands – St.Petersburg trägt viele Namen und birgt ebenso viele Gesichter in sich. Stop 2 unserer Aida Kreuzfahrt sollte uns den Zauber, der Stadt der Zaren näher bringen. Aber hat sie das auch geschafft?

 

Der ursprüngliche Plan

Eigentlich wollten wir St.Petersburg auf eigene Faust erkunden. Morgens runter vom Schiff und am Abend zur Ablegezeit bestens gelaunt, dass erlebte mit einem Cocktail feiern. So schön wir uns das zu anfangs vorstellten, wurde sehr schnell klar, dass daraus wohl nichts werden würde. Von AIDA wurde uns eindringlich abgeraten, die Stadt in Eigenregie zu durchkämmen.

 

St. Petersburg

 

Wir wurden vor den schwierigen Visa-Bedingungen und Einreisebedingungen Bedingungen von Väterchen Russland, etwas arg übertrieben gewarnt. Also durchforsteten wir etwas demotiviert den Ausflugskatalog, nach einem Angebot, das uns möglichst viel freie Zeit in St.Petersburg gewähren würde. Bei Ausflugsnummer PET32 wurden wir endlich fündig - Besichtigung und Aufstieg der Isaac-Cathetral mit anschließend 5h Stadtbummel in Eigenregie. Das klang irgendwie ganz ok.

 

Hallöchen - St.Petersburg

Nach einem kleinen Plausch mit Igor dem Grenzkontrolleur – der lustigerweise bei CounterStrike regelmäßig mit einem Karamarko battlet und unbedingt wissen wollte, ob wir vielleicht sein GlobalPlayer wären, ging es mit dem Bus schon ab Richtung Innenstadt.

 

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Natascha die Reiseleiterin aus St.Petersburg plauderte dabei fröhlich aus dem Nähkästchen. Ganz erfrischend- es handelte sich nicht nur um historische Angelegenheiten sondern ebenso um das heutige Leben in St.Petersburg mit ein paar Vergleichszügen zu Moskau. Eines wurde jedoch sehr schnell klar, Russland gefällt die Position des Gefährliche Nachbarn im Norden ganz ausgezeichnet. Etwas sehr überspitzt wurden wir von der AIDA Crew und ebenso von Natascha vor den Verkehrsbedingungen, Taschendiebstählen und Mafiamitgliedern gewarnt.

Sorry, ABER : Es sollte selbsterklärend sein, dass man sich in einer 6Mio.Großstadt nicht mitten auf die Hauptverkehrsader stellt um ein Foto zu schießen, dass es in JEDER größeren Stadt auch Diebstähle geben kann und daher Schmuck und Geld mit Hirn vor sich her getragen werden sollte und in Neapel gäbe es Mafia technisch wohl größere Bedenken als in St.Petersburg...

 

St.Petersburg

 

Natürlich ließ sich ein Großteil der Mannschaft wieder richtig schön in Panik versetzen und wackelten ganz hysterisch und zusammengedrängt hinter Natascha her.

 

Isaac Cathedral

Das ungekührte Wahrzeichen, lässt sich ohne weiteres von der ganzen Stadt aus betrachten und bietet mit seiner goldenen Kuppel überall einen Anhaltspunkt zur Koordinierung. Der typisch russisch Prunk erschlägt einen im ersten Moment, während die zahlreichen Reiseleiter in den verschiedensten Sprachen die geschichtlichen Besonderheiten ihren Schäfchen entgegenschreien.

 

St.Petersburg Isaak Kathedrale

St.Petersburg Isaak Kathedrale 2

St.Petersburg Isaak Kathedrale 3

 

Absolut besuchenswert ist das Kuppelplateau der Kathedrale, die dir nach 260Stufen einen fantastischen Blick über St.Petersburg bietet.

 

St.Petersburg Isaak Kathedrale 5

St.Petersburg Isaak Kathedrale 6

St.Petersburg Isaak Kathedrale 7

 

Blutskirche

Auch wenn unser Alltag nicht religiös geprägt abläuft, zieht es uns bei Städtetrips immer wieder in die örtlichen Kirchen. So schlenderten wir während unserer Freizeit in St.Petersburg zur Auferstehungskirche, die den meisten nur als Blutskirche bekannt ist. Gelockt hatten uns die typisch russischen Zwiebeltürme und die 7000qm Mosaiksteinchen die im Innenbereich verbaut wurden. Egal ob du gläubig bist oder nicht, beim Anblick dieser Leistung ist einfach jeder geflasht, oder?

 

St. Petersburg - Blutskirche

St. Petersburg - Blutskirche 1

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Suchst du einen Rückzugsort der Einheimischen, solltest du beim Marsfeld der 12 Hektar großen Parkanlage mitten in St.Petersburg vorbeischauen. Von jungen Familien, Sportgruppen, Rentnertreffen und Hochzeitspaaren die Aufnahmen im Grünen wollen ist hier alles vertreten.

 

St.Petersburg - Marsfeld

St.Petersburg - Marsfeld 2

 

Schiffchen fahren im Venedig des Nordens

Der offizielle Teil des Ausflugs war abgearbeitet und unsere eigengestaltete Freizeit begann. Die zahlreichen Nebenflüsse der Newa die sich quer durch St.Petersburg ziehen, warte an allen Ecken mit Bootstouren auf. Für 15€ pro Person wollten wir die Gassen der Stadt aus einer anderen Perspektive betrachten. Leider abermals kommentiert durch eine Reiseleitung die 60 Minuten voll Gas Infos an uns weitergab. Sicher waren darunter erwähnenswerte Begebenheiten, allerdings mussten wir ihre Erzählung nach kürzester Zeit ausblenden um die Fahrt, das hammer geile Wetter und die prachtvollen Gebäude um uns herum genießen zu können. Hattest du auch so viel Glück bei deinem Trip nach St.Petersburg? Von vielen haben wir bislang nur Regenerzählungen bekommen.

 

St.Petersburg - Bootsfahrt

St.Petersburg - Bootsfahrt 2

 

Vorbei an monströsen Palästen die an Prunk und Machtdemonstration kaum zu überbieten sind, schipperten wir eine Stunde durch die Innenstadt. Und doch hatte die Umgebung immer einen kleinen faden Beigeschmack. Während auf den Hauptstraßen der Touristenwege die Fassaden der 2300Paläste und Schlösser beeindruckend auf das Treiben herab blickten, zeigte sich bereits in der nächsten Nebengasse die ersten Anzeichen der zwei Klassengesellschaft Russlands.

 

St.Petersburg Gebäude 1

St.Petersburg Gebäude 2

 

Der Nachklang des Kommunismus wirft einen grauen Schleier über die sonst sehr lebhafte Stadt und hindert sie daran vollkommen zu glänzen. Auf den ersten Blick wirkt natürlich alles toll, strahlend, lebendig – aber auf den zweiten Blick geben sich Renovierungsstau und fehlender technischer Fortschritt beinahe überall die Klinke in die Hand.

 

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Jedoch bietet der Zarenhauptsitz einen großen Pluspunkt, den bislang keine Stadt so deutlich vertreten konnte. St.Petersburg ist jung, und dabei meinen wir nicht die gerade mal 300jährige Geschichte, sonder ihre Bewohner. In kaum einer Großstadt findest du so junges Publikum, das durch die Straßen flaniert. Das mag natürlich auch an den zahlreichen Universitäten der Stadt liegen, aber egal aus welchem Grund, damit verbreitet sich ein richtig tolles Feeling. In Parks, Straßen oder in Cafés, überall die Hauptaltersklasse 20-35. Wenn ich da an Deutschland denke…….. Naja du weist es sicher selbst…..

 

Das Herzstück der Einwohner von St.Petersburg

Am Newski-Prospekt schlägt der Rhythmus der Stadt. Die 4km lange Haupteinkaufsmeile reiht eine Boutique, Café und Restaurant an das nächste. Super teuer und super Schnäppchen stehen hier Tür an Tür-  Nobelkaufhaus neben Basarware, sowie Gourmetrestaurant neben McDonalds. Aber genau dieser Mix macht den Flair aus. Zwar zeichnet es auch im ganz krassen Stil, die aufeinander prallenden Welten von arm und reich auf, aber trotzallem vermischt sich das Publikum auf den Straßen und in den Kneipen. Da steht der Porsche SUV neben dem verrosteten Kleinwagen und doch essen beide Wagenbesitzer im gleichen Schuppen und ein ähnliches Menü.

 

St.Petersburg - Newski Prospekt 2

St.Petersburg - Newski Prospekt

 

Auch wir ließen uns vom Getümmel dieser Straße treiben, bis wir uns plötzlich im ПаЛОЧКИ wiederfanden. Ein Laden der definitiv nicht auf Touris ausgelegt ist. Als die Kellnerin merkte, dass wir gar kein russisch sprechen und sie leider kein Wort Englisch verstand, verschwand sie etwas verlegen und kehrte ein paar Minuten später mit ihrem Kollegen Konstantin wieder, der uns als einziger weiter helfen konnte. Sicher hätten wir es auch mit Natascha (ja beinahe jede zweite Frau heißt hier so) irgendwie hinbekommen, denn wozu gibt es Handzeichen und Speißekarten. Umringt von Studenten, jungen Familien und einem Geschäftstrio kannst du hier ganz entspannt das leckere Essen genießen. Umgerechnet für gerade einmal 4,6€ pro Person.

 

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Während der Strom vorbeilaufender Menschen gar nicht mehr aufhörte, wurde uns bewusst, dass wir in einer so großen Stadt viel mehr Autos erwartet hätten. Im Vergleich zu München oder Berlin wirst du erstaunt sein wie wenig auf den Straßen los ist. Allerdings kompensieren sie die fehlenden Fahrzeuge mit gefühlten 20.000 Reiseleiter samt Schild und Schäfchen die die an jeder Ecke zu finden sind. . Vielleicht kam uns der Newski-Prospekt deshalb so gut gefüllt vor.

 

St.Petersburg - Newski Prospekt 3

 

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Nachtleben in St.Petersburg

Nicht nur tagsüber weiß die Perle Russlands sich zu behaupten, auch in der Nacht hat sie einiges zu bieten.

Im Sommer während der weißen Nächte im Juni, erreicht das Nachtleben der Stadt jährlich seinen Höhepunkt. Da die Sonne nie ganz untergeht, herrscht selbst um 3Uhr Nachts Dämmerung und Feierlaune. Beinahe alle öffentlichen Plätze locken zu dieser Zeit rund um die Uhr mit geöffneten Cafés, Bars und Clubs.

 

St.Petersburg - öffentliche Plätze

 

In den langen Wintermonaten verteilt sich die Partymeute während dessen auf zahllose Clubs in der Innenstadt und im Randgebiet. Angeblich können die größeren Diskotheken ohne weiteres mit den Hüpfanstalten in Deutschland, Frankreich oder Italien mithalten. Gesehen haben wir sie nicht, daher können wir uns da kein Urteil erlauben. Wenn du beim Thema Sicherheit so deine Bedenken hast, kannst du den Service einiger Clubs nutzen, deren Security-Personal dich auf Wunsch zu deinem Wagen oder dem nächten Taxi geleitet. Allerdingst solltest du wie in jeder Großstadt nachts nicht unbedingt alleine unterwegs sein. Hirn einschalten trotz feiern und trinken, denn Idioten gibt es überall auf dieser Welt.

 

Was wir das nächste Mal unbedingt sehen wollen

!!! Die U-Bahn !!!

St.Petersburg hat richtig geile U-Bahnstationen, denn die Prachtbauten hören hier nicht unter der Erde auf. Marmor, Stuck und unterirdische Einkaufspassagen müssen der absolute Hammer sein. Wenn man diese Bilder so sieht, könnte sich so mancher unterirdischer Bahnstein in Deutschland gerne eine Scheibe davon abschneiden.

 

Resümé des Tages

8-9h Stadtbummel war für St.Petersburg nicht mal ansatzweise ausreichend. Wir haben zwar viel gesehen, aber sind doch nur schnell daran vorbei geschlendert. Um die Stadt richtig zu spüren und in sie einzutauchen würden wir dir mindestens 1-2Wochen vorschlagen. Vermutlich wäre ein Monat am Besten. Die voran gegangenen Sicherheitsbelehrungen, Warnungen und Angstmacherei ist in unseren Augen total übertrieben. Natürlich wollen die Reiseveranstalter ihre Ausflüge verkaufen, aber den Leuten solch eine "Angst" vor dem bösen Russen zu machen ist totaler Blödsinn. Wir sind den ganzen Tag hinweg freundlichen und aufgeschlossenen Menschen begegnet. Also lass dich von solchen Verkaufsmaschen nicht beeindrucken.

 

Wie hast du damals St.Petersburg erkundet. Hattest du mehr Zeit als wir?

Was hat dich am meisten begeistert, oder dir vielleicht gar nicht gefallen.

Schreib uns deine Erlebnisse in die Kommentare, viele haben die Stadt leider gar nicht auf ihrer Must-Seen-Liste und das wollen wir ändern!

 

be different - be yourself!

Pia &Cris

 

 

 

 

 

 

 

 

4 thoughts on “St.Petersburg – zu Gast beim bösen Russen???

  1. Hallo Pia & Chris
    ja, ich hatte zum Glück mehr Zeit als ihr. Ich finde es aber ganz beachtlich, was ihr alles geschafft habt. Und schöne Fotos sind auch dabei rausgekommen.
    Für mich gehört unbedingt ein Besuch der Eremitage dazu. Und auch ein Ballettbesuch war bei mir dabei. Und mit der U-Bahn zu fahren ist natürlich auch schön (leicht zu begreifen und obendrein preiswert). Ein paar weitere Tipps habe ich aufgeschrieben http://peterstravel.de/st-petersburg-sehenswuerdigkeiten/
    PS Während der Weißen Nächte möchte ich auch nochmal hin!

    1. Hallo Peter!
      Ja da stimmen wir dir zu! – die Eremitage und das Ballett ist für unseren nächsten Aufenthalt in St.Petersburg ein definitives Muss. War in dieser kurzen Zeit aber leider nicht mehr drin. Danke für die weiteren Tipps, die können wir gut gebrauchen. Vielleicht trifft man sich ja mal dort während der weißen Nächte!

  2. Hallo ihr Beiden 🙂
    Habt doch echt alles aus eurem Aufenthalt rausgeholt! Wie nervig und ätzend dass so extrem übertrieben wird mit den Sicherheitswarnungen. Bin da auch wie ihr: gesunder Menschenverstand hilft erstmal immer am besten. Und yay schon zwei afrikanische Länder hab ich überlebt 😀 Brauchtet ihr dann ein Visum für den Tagesaufenthalt und wie lief das ab?

    Russland ist defintiv ein Sehnsuchtsziel von mir! Am liebsten ganz viel sehen von Land 🙂 Hab aber auf anderen Blogs gelesen, dass sobald man Sankt Petersburg oder Moskau verlässt man ohne Russischkentnisse gaaaaaaanz alt aussieht 😀 Naja vielleicht wird trotzdem irgendwann was draus 🙂

    Lieben Gruß aus den Niederlanden!
    Franzi

    1. Hallo Franzi,

      ja Visium ist Pflicht. Wir haben uns hier vorab bei der Aida informiert. Wenn du eine Reise mit einem Kreuzfahrtanbieter machen solltest, empfehlen wir dir den Ausflug mit der meisten Freizeit zu buchen. In den Angeboten sind die Visas inbegriffen. Solltest du dich selbst um ein Visa kümmern, kann es sein, das es abgelehnt wird. Über den Veranstalter ist die Gefahr allerdings gleich Null der Ablehnung.

      Wie du schon sagt gesunder Menschenverstand ist alles und russisch für alles hinter Moskau können wir uns gut vorstellen das von Vorteil wäre.

      Liebe Grüße
      Pia & Cris

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