Nordkapp – 71°10‘ 21‘‘ N

Es war einer der Gründe für uns in den Norden Norwegens zu Reisen, genauer gesagt in die Finnmark. Das Nordkapp. Der nördlichste Punkt auf dem europäischen Festland. Ok der offizielle nördlichste Punkt. Nicht die winzige Landzunge auf der sich die Touristen stapeln müssten, aber die wäre im Winter sowieso nicht begehbar gewesen. Darum gibt es hier für dich alles rund um unseren Trip zu den Koordinaten 71°10‘21‘‘ N.

 

Unterkunft

Wir lieben unser AirBnb Hüttchen bei Tryggve und seiner Familie. Die perfekte Versöhnung nach unserer chaotischen Anreise. Ein typisch skandinavisches Häusschen, ultra gemütlich, mit einem super Blick direkt am Kvaenangen-Fjord und genug Platz für 4 Personen. Alles klasse, aber nach einigen Tagen mussten wir leider feststellen, dass sich sämtliche Aktivitäten, die uns interessieren rund um Alta und nördlicher davon konzentrieren. Ebenso das Nordkapp. Wir hatten bei unserer Planung die Straßenbedingungen nicht ganz einkalkuliert und die 120km nach Alta als Katzensprung abgetan. Ein Katzensprung der bei Schnee und Eisglätte, gut und gerne 2 Stunden benötigt. Das bedeutet viel Fahrerei und sehr frühes aufstehen.

 

Hammerfest

Unser erster Versuch das Nordkapp anzusteuern, scheiterte an schlechten Witterungsbedingungen – die Straße war gesperrt. Also schwenkten wir auf halbem Weg kurzerhand um und leisteten der Stadt Hammerfest einen kurzen Besuch ab. Ein weiterer wichtiger Punkt unserer To-Do Liste. Wir wollten dem Royal Polar Bear Club beitreten.

 

Nordkapp - Royal Polar Bear Club 2

Nordkapp - Royal Polar Bear Club 1

 

Leider haben wir diese Aktion vorher nicht online gebucht, denn sonst hätte uns der Bürgermeister höchst persönliche mit einem versteinerten Walross-Penis zum Ritter geschlagen. So gab es für einen Mitgliedsbeitrag von einmalig 20€ ein Zertifikat mit Unterschrift des Bürgermeisters und etwas Mitglieds-Merchandise Artikel.

 

Nordkapp - Royal Polar Bear Club Mitglied

 

Auch ok, aber leider ohne Ritterschlag. Das Städtchen an sich ist ziemlich überschaubar und das Highlight für alle Bewohner wohl die großen Touridamper die am Hafen, mitten im Ort anlegen. Außerdem rühmt sie sich heute noch gerne mit dem Titel nördlichste Stadt Europas, was allerdings ein wenig geflunkert ist. 1998 wurde Hammerfest durch das kleine Städtchen Honnigsvåg abgelöst, dass direkt in der Nordkapp – Kommune liegt.

 

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Da über die Osterfeiertage in Norwegen alles zum Stillstand kommt, selbst wenn ein Hurtigroutendampfer mit Massenhaft Touristen anlegt, zog sich unser Aufenthalt nicht besonders in die Länge. Leere Straßen,eingestellter Fährbetrieb, geschlossene Cafés und Restaurants, da macht man schnell wieder die Biege.

 

Auf ein Neues

Beim zweiten Versuch das Nordkapp anzusteuern hatten wir mehr Glück und waren besser vorbereitet. Über die Seite www.yr.no konnten wir stets die aktuellsten Wetterdaten abrufen, um nicht umsonst um 4Uhr aufzustehen. Die zeitweise rutschige aber ansonsten ereignislose Fahrt, brachte uns nach 4,5 Stunden in einsame und ziemlich lebensfeindliche Gegenden (zumindest im Winter).

 

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Trotz der Isolation und Abgeschiedenheit, finden sich auch hier in vielen kleinen Fjordecken kleine Häuseransammlungen. Teilweise sogar mitten im Fjord auf kleinen Inseln angesiedelt, inklusive Zugangssteg. Die Familien können hier von nicht viel anderem als von Fischfang, etwas Tourismus und Straßenmeisterei (im Winter) leben.

 

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Mehr gibt es einfach nicht. Aber erst ein Stück nach all diesen verlassenen kleinen Grüppchen und einem Unterwassertunnel von 6870m länge, kommt Honnigsvåg. Seit Juli 2012 ist die Tunneldurchfahrt für alle übrigens Mautfrei. Nachdem sich die Baukosten durch vorangegangene 16€ pro Auto, 2 Jahre schneller als berechnet abgezahlt hatte wurde die Strecke für alle freigegeben. So sozial sind auch nur die Skandinavier.

 

Honnigsvåg

Angekommen an der nun wirklich nördlichste Stadt Europas (ca. 20km vom Nordkapp entfernt). Und sie ist…. Ähm hässlich. Ja ok das klingt ziemlich hart. Aber schön ist Honnigsvåg wirklich nicht. Wer sich hier eine Fischerdorfidylle vorgestellt hat, ist ziemlich fehl am Platz. Während im Rest der Finnmark vergeblich nach Anzeichen von Industrie und Großgewerbe gesucht wird, ragen hier im letzten Winkel zwischen arktischen Felsformationen und tiefgrauen Wasser, Betonschornsteine und heruntergekommene Gewerbebauten wie Schandflecke in die Luft.

 

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Die Grundversorgung ist wie überall in Norwegen, zwar auch hier am vermeintlich letzten Zipfel der Welt ziemlich gut mit Baumarkt, Supermärkten, Möbelgeschäften usw., aber alles wirkt sehr ramponiert und heruntergekommen. Vor den strahlenden Schneemassen an den Berghängen wirken die kleinen Häuser gleich noch schäbiger als sie vermutlich sind.

 

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Es wird einem mal wieder deutlich wie viel ein Klecks frische Farbe alle paar Jahre ausmachen kann. Für Besucher haben sich trotz des schäbigen Eindrucks einige Campingplätze rund um das Städtchen etabliert. Zusätzlich zum Nordkapp lockt Ola´s Bird Safari mit Papageientauchern direkt an den Klippen, die wir jedoch ausgelassen haben. Das wird irgendwann nachgeholt.

 

Endlich am Nordkapp

Aber nun hatten wir es fast geschafft. 13km vor dem Nordkapp, galt eine Verkehrsschranke als Konvoi-Treffpunkt. Im Winter ist es nur mit einem voranfahrenden Schneepflug möglich die letzten Kilometer zu passieren.

 

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Allein mit anzusehen wie diese Monstergeräte mit einem Affenzahn vor dir her fahren und diese gigantischen Schneemassen wegschieben ist ein riesen Spektakel. Während der Sommermonate ist die Straße natürlich frei gegeben und du kannst ganz nach Belieben hoch fahren. Von Alta, bzw. je nach Angebot auch von Honnigsvag aus, besteht die Möglichkeit, dass du dich mit einem Reisebus diese Strecke transportieren lässt.

Aber Kosten von bis zu 60€ pro Person(inkl.Eintritt) erschienen uns dann doch ziemlich hoch. So zahlten wir für das Komplettpaket (Eintritt, Museum – Kinokurzfilm – Grotte) 26€ pro Erwachsener und 17€ pro Student. Also insgesamt 86€ für 4Personen. Im Nachhinein hätten wir uns die Zusatzkosten sparen können, denn keiner hatte uns kontrolliert. Kann ja keiner wissen und wir hätten es wohl auch nicht drauf angelegt.

 

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Der Ausblick vom berühmten Globus war gigantisch. Wir hatten tatsächlich einen der seltenen sonnigen Tage hier am Nordkapp erwischt. Trotz starkem Wind und steinharten Schneedecken rund herum, verbrachten wir einige Zeit auf dem ungeschütztem Schieferplateau, um die Aussicht und das Fehlen großer Touri-Massen zu genießen.

 

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Ganz im Gegensatz zum Sommer, tummelten sich vielleicht 30 Personen in und um das Nordkapp – Besucherzentrum (oder auch Nordkapp - Halle). Sehr angenehm, wenn man die Schwämme an Leuten bei unserem England-Irland Trip an den Cliffs of Moher bedenkt. Ein bisschen hofften wir auch bei diesen Wasserweiten irgendwo eine Wal- oder Delphinflosse sichten zu können. Leider hatten wir im Vergleich zu Australientrip, an diesem Tag kein Glück.

 

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Als halbe Eiszapfen stapften wir zum kleinen Kinosaal und genossen die 15 Minuten des rein impressionistischen Films. Tolle Aufnahmen mit imposanter Begleitmusik, aber ein paar Infos über Land, Leute und Kultur wären auch schön gewesen. Das zugehörige Museum und die Grotte begeisterten uns nur mäßig. Ronja beschrieb die Ausstellung ziemlich treffend: „ Sie müssen einen Felsen vermarkten und das haben sie umgesetzt. Naja sie haben sich zumindest Gedanken gemacht.“

 

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Da hier beinahe Alles mit dem Begleitwort „nördlichstes“ XY beschrieben wird, genossen wir an der großen Glasfront des Nordkapp – Café natürlich die nördlichste heiße Schokolade für stolze 4,6€ pro Becher mit Blick auf den Globus. Dann ging es ziemlich fix auch schon zurück zum Auto, da der letzte Tageskonvoi im Winter um 13.45Uhr schon wieder die Rückfahrt antrat.

 

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Was du sonst noch wissen solltest

Alles in Allem hatten wir 11Stunden Autofahrt für 2,5h Aufenthalt am Nordkapp auf uns genommen. Wenn du meinst, dass sei es doch gar nicht wert irrst du dich gewaltig. Selbst die stundenlange Fahrt Hin und Zurück, begeistern einem immer wieder auf Neue mit fantastischem Winterpanorama.

 

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Gerade wenn du mit Partner oder wie wir in diesem Fall in kleiner Gruppe unterwegs bist, kann sich beim Fahren abgewechselt werden. So teilt sich die Strecke besser auf.
Achte bei der Automietung in Norwegen jedoch darauf, dass jeder Extrafahrer angemeldet und über einen Aufpreis dazu gezahlt werden muss, sonst seid ihr nicht versichert.

Im Sommer steht dir der angrenzende riesige Parkplatz als Campingmöglichkeit zur Verfügung und in den richtigen Monaten, kannst du dort sogar Nordlichter beobachten.

Aber auch sonsten hat Norwegen während der Wintermonate eine Menge zu bieten. Von Langlauf, Skifahren, Eisfischen und Snowmobil fahren, wirst du immer eine Fülle an Attraktionen finden. Besonders schön, fast Alles findet draußen in der Natur statt. Morgen geht es los zum Husky-Schlitten fahren und wir sind alle schon ganz aufgeregt.

 

Was hast du alles in Norwegen erlebt, wovon du uns berichten kannst?
Hast du das Nordkapp auf deiner Liste auch schon abgehakt?
Warst du auch im Winter unterwegs, oder fand dein Trip Sommer statt? Was hat dich am meisten dabei begeistert?

Erzähl uns davon in den Kommentaren! Das war sicher nicht unser letzter Trip nach Norwegen!

Grüße aus dem langsam auftauenden Nord-Norwegen!

Be different – be yourself!
Pia & Cris

2 thoughts on “Nordkapp – 71°10‘ 21‘‘ N

    1. Hey Hannes,

      ja jeder wie er es verdient. Nein Spaß, aus einem von uns muss ja was werden.

      Viel Erfolg bei den Klausuren, wir hören uns.
      Bis denne

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